Gerade erst haben die Aschaffenburger Newcomer von Orcus Chylde ihre aller erste EP veröffentlicht. Ihr von den Siebzigern inspirierter Sound des Hard Rock und Doom bereichert momentan die Aschaffenburger Musikszene und hat sogar schon über die Region hinaus Erfolge zu verbuchen. Bassist Dejan Zivkovic stand ABhörer Alexander Wissel Rede und Antwort...
ABhörn: Erzähl uns doch bitte erst einmal, wie und wann ihr euch zusammen gefunden habt.
Dejan: Die Idee für eine Band dieser Art stammt von mir und unserem Sänger Tobias. Unsere beide Gitarristen Nico und Lukas waren von Anfang an dabei. Wir kannten uns bereits vorher, da wir bei diversen anderen Projekten zusammen gespielt und den Proberaum geteilt haben. Zudem teilten die Beiden unsere Begeisterung für die Rock-Musik der 70er Jahre. Dementsprechend waren sie gleich auch unsere erste Wahl bei der Suche nach Mitgliedern. Im April/Mai 2009 haben wir mit den Proben angefangen. Zu dieser Zeit allerdings noch unter einem anderen Namen und mit einem anderen Schlagzeuger. Der Christof stieß dann irgendwann zwischen August und September zu uns. Die offizielle Gründungszeit der Band sehen wir zu diesem Zeitpunkt.
ABhörn: Welche Bedeutung verbirgt sich hinter dem Namen Orcus Chylde?
Dejan: "Orcus" war in der römischen Mythologie ein Gott der Unterwelt. Allerdings kann das Wort auch als Unterwelt selbst übersetzt werden. Das Wort „chylde“ ist ein altes englisches Wort für „child“.
ABhörn: Als eure Haupteinflüsse gebt ihr den 70er Hard Rock, Doom und Prog an. Gibt es ein paar Gruppen, die euch ganz stark inspiriert haben?
Dejan: Wir alle haben unsere eigene Hintergründe und Einflüsse, die uns als Musiker charakterisiert haben. Es gibt allerdings wirklich ein paar Bands, die den Sound von Orcus Chylde stärker beeinflusst haben. Zu nennen sind hier Black Sabbath, Led Zeppelin und Pentagram.
ABhörn: Wie komponiert ihr hauptsächlich eure Lieder?
Dejan: Die Riffs schreiben Nico, Lukas und ich jeweils alleine zu Hause. Die Verfeinerung findet im Proberaum statt und wird anschließend dort auch strukturiert. Manchmal dauert es zwei Proben, manchmal aber auch 2 Monate, bis ein Lied vollendet ist.
ABhörn: Wer ist für die Texte verantwortlich und wie kann man diese deuten?
Dejan: Unser Sänger Tobias und ich sind für die Texte zuständig. Wir schreiben eigentlich eher zu düsteren Themen wie zum Beispiel den Tod, die Apokalypse und Melancholie. Das Besondere an unseren Texten ist, dass wir zum Ende versuchen, etwas Hoffnung hinein zu bringen. Das Problem dabei ist, dass die Texte meistens viel zu lange oder die Lieder zu kurz sind und somit kommen wir nie dazu die letzte Zeile zu verwenden. Das macht die Texte also doch ziemlich hoffnungslos. [lacht]
ABhörn: Auf eurer Debüt-EP "The Day The Seventh Angel Came" hört man die Instrumente manchmal etwas übersteuern, und ganz im Allgemeinen hört sich der Garagen-Sound wirklich wie ein Tape aus alten Zeiten an. In der heutigen Zeit ist das ja schon fast unüblich. Ist euch dieser Klang wichtig gewesen?
Dejan: Dieser Klang war uns wirklich sehr wichtig. Wir haben absichtlich auf jeglichen modernen „Schnick-Schnack“ verzichtet und haben alles ohne Klicks oder Overdubs direkt live in unserem Proberaum aufgenommen. Damit wollten wir diesen Vintage-Sound erzeugen. Das Equipment zum Aufnehmen war wirklich nur das Nötigste. Es wurde auch ohne jegliches Budget aufgenommen. Wir sind uns bewusst, dass man bessere Ergebnisse erreichen kann, aber für die Demo hat er gereicht. Sollten wir irgendwann mal ein Album aufnehmen, werden wir in ein richtiges Studio gehen.
ABhörn: Wie viele Takes habt ihr für die Aufnahmen gebraucht?
Dejan: Wir sind in den Proberaum rein, haben nach der Verkabelung beide Lieder je drei mal eingespielt und eine gute Stunde später waren wir schon wieder fertig. Anschließend hat unser Gitarrist Nico, die seiner Meinung nach besten Takes ausgewählt. Er hat nämlich auch ganz alleine die Spuren abgemischt.
ABhörn: Auf der EP sind zwei vollwertige Songs und das Intro zu finden. Das hört sich im ersten Moment wenig an, summiert sich aber schon auf stolze 15 Minuten. Fühlte sich euer restliches Material noch nicht wirklich bereit an, oder wolltet ihr euch erst einmal präsentieren und das Feedback abwarten?
Dejan: Unsere anderen Lieder können ohne Probleme mit den zwei aufgenommenen Songs mithalten. In erster Linie soll diese Veröffentlichung wirklich als Demo angesehen werden. 15 Minuten sind für eine Demo definitiv nicht schlecht. Der Hörer bekommt auf jeden Fall genug Zeit um sich ein Bild von der Band zu machen. Danach kann er entscheiden, ob er an mehr interessiert ist.
ABhörn: Ich habe nun schon viele positive Resonanzen zu eurem Sound mitbekommen. Auf der Online-Plattform MySpace sind auch einige Menschen aus dem Ausland begeistert von eurer Musik. Kommt so etwas in der heutigen Zeit noch überraschend, und was fühlt ihr dabei?
Dejan: Wir waren schon ziemlich überrascht und natürlich sehr erfreut, als auf einmal viele positive Resonanzen bekommen haben. Unsere Demos wurden sogar von Menschen aus den USA, Kanada und Guatemala bestellt. Es ist heute vielleicht, dank des Internets, keine große Sache mehr, aber wir finden es schon ziemlich cool. Es gibt da wirklich jemanden aus New York, der eine Demo-CD einer Band aus Aschaffenburg kauft.
ABhörn: Wie sehen die weiteren Pläne bei euch aus? Kann man in naher Zukunft mit weiteren Songs rechnen und kann man euch bald einmal wieder live erleben?
Dejan: Wir haben jetzt schon genügend Material für ein ganzes Album. Wir hoffen wir können es im Laufe des Jahres aufnehmen. Allerdings sind weitere Details noch total unklar. Es gibt allerdings ein paar Labels, die daran interessiert sind. Das können wir momentan schon verraten. Als Nächstes kommt eine nur auf Vinyl erhältliche Split-EP mit einer anderen befreundeten Band heraus. Diese Band kommt allerdings nicht aus Aschaffenburg. Das nächste Konzert findet am 28.08. im Aschaffenburger "Casino"-Kino statt. Ab September werden wir dann einige Gigs in Deutschland und vielleicht auch im Ausland spielen. Einige Auftritte sind schon gebucht und einige werden noch dazu kommen. Die aktuellen Daten sind natürlich auf unserer MySpace-Seite zu finden.
ABhörn: Die Platte ist mit 200 Einheiten wirklich stark limitiert und wohl schon so gut wie ausverkauft. Wo ist diese für alle Interessierten noch erhältlich?
Dejan: Es sind tatsächlich nicht mehr viele Kopien erhältlich, aber noch gibt es Möglichkeiten. In Aschaffenburg führen die CD noch der Plattenladen "Echobeat" und Skate-Shop "Six Step", die beide im Rossmarkt zu finden sind. Die CD lässt sich auch noch direkt über unsere Webseite bestellen.
ABhörn: Was habt ihr allen musikbegeisterten Menschen zum Schluss zu sagen?
Dejan: Vielen Dank an alle, die uns jetzt schon so toll unterstützen. Wir werden weiter so machen. Nur noch besser! Verbrennt eure iPods, kauft euch Vinyls, geht auf die Konzerte und unterstützt großartige Underground-Bands wie Mountain Witch, Orange Amber, Fitzcarraldo, Moon und Umor. Cheers! ABhörn: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für die Zukunft! (aw)
www.myspace.com/orcuschylde

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